sie deckten ihn zu. nahezu unwürdig diese plastikabdeckung. aber am ende sind wir alle gleich. ganz egal, wer wir waren. hätte hoffnung bestanden, hätte man ihn in einen rettungswagen geladen. anstelle des rettungswagens stand nur ein schwarzes, überdimensioniertes gefährt mit verdeckten fenstern vor dem haus. sie luden ihn ein. deckel zu. weg. für alle beteiligten war der fall klar abgeschlossen; für den nachlass hatte das große leiden erst begonnen. der knarrende holzboden war endgültig verstummt. die letzten staubpartikel sanken zu boden und bedeckten die trostlosigkeit des wertlosen besitzes. ein hut, ein rotes notizbuch, stofftaschentücher, ein frühstücksmesser. und der lehnstuhl. solche dinge sind doch nichts wert. niemand würde sie kaufen. sie waren nutzlos. weil sie nun bedeutungslos und nutzlos waren, waren sie wertlos. der hut würde bis zur zwangsräumung noch eine gnadenfrist bekommen und dann den garderobenhaken, der ihm 64 jahre lang halt gegeben hatte, für immer verlassen. niemand wusste, wohin er dann gehen würde. das rote notizbuch lag, feinsäuberlich verschlossen, exakt zwei zentimeter vom schreibwerkzeug entfernt auf dem tisch. es lag so da, wie er es immer hingelegt hatte. es lag da, als würde er es heute wieder zur hand nehmen und mit seinen worten erfüllen. der rote umschlag glänzte im sonnenlicht. draußen schien die sonne, als wäre es ein tag wie jeder andere. aber in seinen gemächern war nichts mehr, wie es gewesen war. wolken von tristheit lagen in der luft. der besitz war nun kein solcher mehr, da ihn niemand besitzen wollte und der, der sie alle – jedes einzelne ding – so geschätzt hatte, nun fort war. der hut trug noch seinen geruch in sich. vom markenzeichen zur puren nutzlosigkeit – ein irreversibler weg. der lehnstuhl hatte sie beide immer verbunden. nachdem seine frau gestorben war, setzte er sich jeden tag stundenlang an die stelle, an der sie immer gesessen und gestrickt hatte. dieser stuhl hatte die fähigkeit, die nähe wiederherzustellen. nun war niemand mehr da, der ihre nähe suchte. niemand würde sie vermissen – sie beide. niemand würde sich erinnern. niemand würde die geschichte hinter dem stuhl je erfahren. niemand würde seinen wahren wert und seine wahre schönheit je wieder erkennen. der stuhl war wertlos. wert- und nutzlos. das frühstücksmesser trug noch seine fingerabdrücke. mit stolz. als wären es juwelen. unwiederbringliche juwelen. er war gegangen. erst jetzt wurde all den besitzstücken klar, dass er derjenige gewesen war, der dieser anordnung – die erst durch ihn zu einer ansammlung, dann zu einer anordnung wurde – raum und sinn verliehen hatte. niemand anderer würde sie brauchen. andere hatten ihr leben bereits mit anderen dingen ausgefüllt. bis zum rand. vollgestopft. das frühstücksmesser lag da, als würde es auf den kommenden morgen warten. auf ihn. aber es war hoffnungslos. das brummen des kühlschrankes war lange verstummt. genau wie sein herzschlag.